Nachhaltiges Planen und Bauen

„Smart Cities – ein Bebauungsplan für morgen“
Resümee der Podiumsdiskussion der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten vom
1. März 2012, Erste Bank Event Center Wien.

Bei der elften Veranstaltung der Podiumsdiskussionsreihe der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten diskutierten Experten zum Thema „Smart Cities – ein Bebauungsplan für morgen“.

Zusammenfassungen der Redebeiträge

    Jessen Page vom Austrian Institute of Technology ging vom Wunschziel der EU aus, den CO2-Ausstoß bis 2050 um achtzig Prozent zu reduzieren. Erfolg oder Scheitern dieses ehrgeizigen Plans hänge von der Entwicklung der Städte ab. Für eine „Smart City“ bedürfe es eines integrierten Ansatzes, in dem Prozesse (in Planung, Finanzierung, Legislatur), Konzepte (Planung auf Gebäudeebene bis zur Stadtebene) und Technologien ineinandergreifen: „Nicht getrennte Stakeholder-Prozesse oder die Optimierung von Einzelsystemen macht eine Stadt smart, sondern eine bereichsübergreifende Planung. Nur integrierte Planungsaufgaben und gemeinsame Ziele tragen zu einer Optimierung des Gesamtsystems Stadt bei.“

    Ina Homeier-Mendes von der Magistratsabteilung 18, Stadtentwicklung und Stadtplanung, begann ihre Keynote mit einem Zitat der Internationalen Energieagentur: „Ohne einen baldigen Kurswechsel werden wir dort enden, wo wir jetzt hinsteuern.“ Wien habe diesen Kurswechsel eingeläutet, im weltweiten „Smart-Cities-Ranking“ liege man auf Platz eins. Für Homeier-Mendes steht der Begriff für hohe Lebensqualität bei gleichzeitiger Schonung der Ressourcen: Die smarte Stadt sei nicht allein ein technisches, sondern ebenso ein soziales Konstrukt. Als wachsende Stadt zeige Wien hohes Potenzial für innovative Lösungen. Das Grundgerüst hierfür sei der 2011 aufgesetzte Masterplan „smart city Wien 2012-2015“.

    Bernhard Sommer, Architekt und Mitglied des Ausschusses StadtNachhaltigkeit der Länderkammer Wien, Niederösterreich und Burgenland, ging von der Gebäudehülle aus. In Anbetracht der Tatsache, dass Wien nach wie vor stark von kalorischen Kraftwerken abhänge, sei es wesentlich, dass Gebäude selbst Energie erzeugten. Das gehe nicht ohne eine Bauordnung, die Ziviltechnikern erlaubt, neue Gebäudeformen zu entwerfen. „Wir haben heute Instrumente und Wissen zur Hand, die eine wesentlich intelligentere Planung erlauben würden, als wir sie praktizieren - müssen“. Sommer fordert Planungsfreiheit bei klar definierten Zielvorgaben.


    Städtebau, so der Architekt und Stadtplaner Rudolf Kohoutek, sei keine Stärke Wiens. Auch habe Österreich als eines von wenigen Ländern in der EU kein eigenes Städtebauministerium. Die Befreiung von der Bauordnung, „ein alter Architektentraum“, sollte zumindest in anspruchsvollen Sonderbauvorhaben wahr werden. Zugleich räumte er ein, dass Smart-City-Konzepte die Arbeit der Architekten keineswegs erleichtern. Wesentlich für Kohoutek ist es, die abstrakte „Mega-Maschinerie“ Smart City im Bewusstsein der Bevölkerung lebendig werden zu lassen. Vermittlungsprogramme, Partizipation und Ausstellungen könnten helfen, Öffentlichkeit, Politiker und Beamte für das Thema zu begeistern.
Bilder: © Bernhard Wolf

Resümee

In der anschließenden Diskussion kam Peter Huemer zunächst auf den Aktionsplan
„smart city Wien 2012-2015“ zurück und hakte zu konkreten Maßnahmen nach. Ina Homeier-Mendes erklärte, der Plan sei derzeit noch unverbindlich: ein Kompendium von Ideen, ein Impulsgeber für weitere Visionen. Nun gehe es daran, die Vorschläge zu evaluieren. Doch wie fühlt sie sich an, die Smart City von morgen? Jessen Page zu seiner persönlichen Vision: Die Stadt werde nicht dramatisch anders aussehen, aber weniger von Autos als von öffentlichen Verkehrsmitteln und dezentraler Energieerzeugung geprägt. Es sei vor allem das Verhalten und die Einstellung der Menschen, die sich geändert hätten. Dieser Aspekt wurde auch vom Publikum als wesentlich genannt.


Bild: © Bernhard Wolf

Auch das Thema einer neuen Form des Bebauungsplans wurde nochmals aufgegriffen. Die Notwendigkeit neuer, vielleicht sogar radikaler Regulative wurde von Podiumsgästen wie Zuhörern gleichermaßen bestätigt. Es sollten mehr konkrete Ziele vorgegeben werden, zum Beispiel eine Vorgabe für die Energieproduktion auf der Gebäudehülle – im Fall Wiens auch in Hinblick auf den historischen Stadtkern, die Gründerzeitviertel und die „Nachkriegsmoderne“, wo man sich derzeit noch auf Maßnahmen der Wärmedämmung beschränke. Zielvorgaben sollten mit größeren gestalterischen Freiräumen gekoppelt werden.


NACHLESE 2012:
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