Nachhaltiges Planen und Bauen – ohne Ausbildung?

Podiumsdiskussion am Montag, 18.05.2009

Resümee der Podiumsdiskussion der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten über die Bedeutung der interdisziplinären Ausbildung von Ziviltechnikern.

Zusammenfassungen der Redebeiträge

© Bernhard Wolf

In seinen Begrüßungsworten erläuterte Peter Maydl, Vorsitzender des bAIK-Ausschusses Nachhaltigkeit, dass es durchaus einzelne Ansätze zum Thema Nachhaltigkeit im Bausektor gäbe – beispielsweise in Krems, Wien und Graz. In der Ausbildung von ArchitektInnen gehe es jedoch bisher vor allem ums Entwerfen; bei konstruktiv orientierten BauingenieurInnnen um Schnittgrößener¬mittlung und Bemessung. Dringend notwendig sei die interdisziplinäre Planung von Bauprojekten. ArchitektInnen und BauingenieurInnen müssten lernen, wie der jeweils andere Part denkt. Dazu sei eine weitergehende Zusammenarbeit als bisher - z.B. bei Projektarbeiten während des Studiums - an den Universitäten notwendig. Nachhaltigkeit sei kein singuläres Fach, sondern müsse in alle Einzeldisziplinen einfließen.

© Bernhard Wolf
 

Christian Kühn, Studiendekan der Studienrichtung Architektur an der TU Wien, wies darauf hin, dass die Wurzeln der Nachhaltigkeitsdiskussion bereits in den 30er Jahren liegen, als Richard Buckminster Fuller seine Maximen formulierte. Heutzutage sei der Referenzrahmen in der Diskussion angenehm weit. Es gehe nicht mehr nur um „ökologische versus andere ArchitektInnen“. Man wisse, so Kühn, dass die Welt nicht durch das Passivhaus gerettet werden könne. Den Auftrag der Universitäten sieht er darin, ganzheitliches Denken transparent zu machen und in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen zu verankern, wie beispielsweise im TU-Studiengang „Bauen in ökologischen Systemen“. Auch die Themen Praxisorientierung und postgraduale Ausbildung seien weitere heiße Eisen.

© Bernhard Wolf
 

Ursula Schneider, Geschäftsführerin pos architekten ZT-KG, merkte kritisch an, dass von nachhaltigkeitsorientierter Ausbildung in ihrem Büro letztlich nichts ankomme. PraktikantInnen und BerufseinsteigerInnen brächten zwar durchaus kreatives Entwurfspotential mit, würden jedoch weder andere Klimazonen, noch globale Entwicklungen oder Zeitfaktoren bedenken. Es sei nicht im Bewusstsein verankert, dass Gebäude ein Energiezustand sind, der umfassend in die Umwelt eingebettet werden müsse: „Architektonische Entwürfe müssen Ästhetik und Ökologie verbinden. Wir brauchen ZiviltechnikerInnen mit einer gewissen Haltung, die ihr Handwerk beherrschen und es mit innovativer Technik sowie kreativem Denken verknüpfen.“ Eine gemeinsame Sprache von ArchitektInnen und IngenieurInnen sei unerlässlich. Würde ein umfassender Nachhaltigkeitsbegriff, der neben Wasser und Boden auch Bauen umfasst, schon in der Schule gelehrt, wären auch Bauherren in 20 Jahren andere.

© Bernhard Wolf
 

Der Begriff Nachhaltigkeit rufe Aggressivität bei ihm hervor, eröffnete Klaus Daniels, Professor für Entwerfen und Gebäudetechnologie an der TU Darmstadt, weil er zum Modewort verkomme. Studierende sollten angesichts knapper werdender Ressourcen wahrhaft über den Entwurf hinausdenken. Die im Studium vermittelten Inhalte blieben jedoch nicht hängen, weil kaum Zeit sei, sie praxisnah zu vertiefen. Außerdem könnten einige „ältere KollegInnen“ die Ideen der Nachhaltigkeit nicht adäquat vermitteln. Als positives Beispiel nannte Daniels den französischen Mischstudiengang „Architektur und Gebäudetechnik“. Dort würden die TeilnehmerInnen wirklich wissen, worum es beim nachhaltigen Bauen gehe. Daniels forderte Konzepte zur Nachschulung im Bereich Nachhaltigkeit. Und die Beantwortung der Frage, wie ein Studium richtig angelegt sein müsste, um abzudecken, was zukünftige BaumeisterInnen in puncto Nachhaltigkeit können müssen.

© Bernhard Wolf
 

Christoph Achammer, Vorstandsvorsitzender und Architekturpartner ATP Architekten und Ingenieure sowie Professor am Lehrstuhl für Industriebau und interdisziplinäre Bauplanung der TU Wien, erklärte, dass es keine einheitliche Baufakultät für alle betroffenen Studiengänge in Österreich gäbe. Vor einer Diskussion der Studieninhalte müsse geklärt werden, ob integrales Denken in der Bauplanung überhaupt gewünscht sei. Es gehe nicht um mehr Wissen, sondern um eine von Grund auf geänderte Haltung der einzelnen Planungsdisziplinen: „Zu Beginn ihrer Ausbildung verstehen sich ArchitektInnen, Inge¬nieurInnen und HaustechnikerInnen noch blendend. Bei deren Abschluss verlassen sie mit professionellem Hass aufeinander die Bildungsstätte. Wir stehen heute erst am Anfang einer Entwicklung hin zu erfolgreichen Bildungsprogrammen.“


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