Nachhaltiges Planen und Bauen

ohne Kreislaufwirtschaft: Resümee der Podiumsdiskussion der Bundeskammer der bAIK Architekten und Ingenieurkonsulenten von Donnerstag, den 17. November 2011

Die zehnte Veranstaltung der Podiumsdiskussionsreihe der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten zum Thema "Nachhaltiges Planen und Bauen" legte den Fokus auf die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Eine ExpertInnenrunde diskutierte dazu am Donnerstag, den 17. November 2011, im Erste Bank Event Center in Wien.

Zusammenfassungen der Redebeiträge




Wilhelm Himmel von der Abteilung 19D Abfall- und Stoffflusswirtschaft, Amt der steirischen Landesregierung, konstatierte eine nach wie vor mangelnde Wahrnehmung für nachhaltiges Bauen: "Verbindliche Vorgaben führen zu nichts, wenn das Thema nicht im allgemeinen Bewusstsein verankert ist." Ganzheitliche Nachhaltigkeit könne nur durch eine saubere Umwelt und die Berücksichtigung wirtschaftlicher und sozialer Dimensionen realisiert werden.







Christian Felber, attac, sprach im Sinne der Gemeinwohl-Ökonomie von der Notwendigkeit neuer Indikatoren für die Erfolgsmessung: "Monetäre Indikatoren messen nur den Tauschwert, Menschen leben jedoch allein von Nutzwerten. Wenn das Ziel Recycling von Ressourcen ist, müssen wir dieses Ziel verlässlich messen und evaluieren." Nach dem Prinzip der Gemeinwohl-Matrix könnten Unternehmen Gemeinwohl-Punkte sammeln, die ihnen rechtliche Vorteile verschaffen. "Steuervorteile oder günstige Kredite sind für Unternehmen mit Sicherheit ein interessanter Anreiz und reinen Verordnungen vorzuziehen."







Martin Car vom Österreichischen Baustoff Recycling Verband sprach sich für ein absolutes Muss zur Kreislaufwirtschaft aus. Auch die EU habe dem Recycling-Gedanken bereits hohe Priorität zugeschrieben: Die Qualitätskriterien für Sekundärstoffe seien mittlerweile durch ein Regelwerk, der Richtlinie für Recycling-Baustoffe, definiert. In seinem Resümee legte Car die Diskrepanz zwischen den Vorgaben und der Realität dar und forderte die Festlegung einer Recycling-Quote. "In der Planung muss Recycling zur Selbstverständlichkeit werden."







Peter Maydl von der Technischen Universität Graz erläuterte in seinem Statement die volkswirtschaftliche Bedeutung des Bausektors in Österreich und veranschaulichte die durch Bauaktivitäten verursachten Stoffströme. Er zeigte die Notwendigkeit auf, soviel Baustoffe wie möglich im Kreislauf zu behalten. Das Problem sieht er unter anderem darin, dass Abbruchmaterial oft zur falschen Zeit am falschen Ort sei. "Durch die neue Bauproduktverordnung wird kein Stein auf dem anderen bleiben", so Maydl. Die siebte Grundanforderung der Verordnung schreibt die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen vor. Als Konsequenz und Forderung der Stunde sah Maydl die Rezyklierbarkeit und die Nutzung von Sekundärrohstoffen sowie eine integrale Planung und die Vorbildwirkung der öffentlichen Hand.







Ursula Schneider, pos architekten, sprach in Vertretung von Michael Braungart, dem Begründer von "Cradle-to-Cradle": "Das Ziel muss der abfallfreie Wirtschaftskreislauf sein." Sie forderte, dass Hersteller bei Produktzulassung verpflichtend einen Recyclingkreislauf nachweisen sollten. Von Herstellern wird die Verwendung von Sekundärrohstoffen oft nicht genannt, weil sie für Endkunden nach wie vor negativ behaftet sind. Im Bezug auf die von ihr durchgeführten Untersuchungen stellte Schneider jedoch fest: "Baustoffe mit Sekundär-Rohstoffen schneiden jedoch in den ökologischen Kennzahlen oft besser ab".

Bilder: © Bernhard Wolf

Resümee

In der anschließenden Fragerunde wurde festgestellt, dass zwar die Rahmenbedingungen
für Kreislaufwirtschaft geschaffen wurden, jedoch die Verwendung von Sekundärstoffen für Baufirmen sowie auch für Hersteller noch unattraktiv sei.

Zudem gebe es bis jetzt zu wenige Verbindungen zwischen Anbietern von Recycling-Lösungen und Baufirmen. Diese befürchten manchmal auch eine minderwertige Qualität bei wiederverwertbaren Materialien. Gefragt sei ein generelles Umdenken, um entsprechende Nachfrage zu generieren.

"Die öffentliche Hand geht hier noch nicht ausreichend mit gutem Beispiel voran. Öffentliche Vergaben von Bauaufträgen funktionieren nach dem Niedrigstpreisprinzip und gesetzlich ist nur ein Mindeststandard der Wiederverwertung vorgegeben. Es müssen höhere Anreize geschaffen werden, nur so kann das Gemeinwohlprodukt wachsen", zog Peter Huemer das Resümee des Abends.

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