Nachhaltiges Planen und Bauen – ohne Journalisten/innen?

Podiumsdiskussion am Mittwoch, 3. März 2010

Resümee der Podiumsdiskussion der Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten über das Verhältnis von Journalisten/innen und der Arbeit von Architekten/innen und Ingenieurkonsulenten/innen im Zusammenhang mit der öffentlichen Nachhaltigkeitsdiskussion.

Zusammenfassungen der Redebeiträge

© Bernhard Wolf

Georg Reinberg vom Architekturbüro Reinberg ZT GesmbH stellte zu Beginn eine prägnante Frage in den Raum: Was bringt die Nachhaltigkeits- diskussion für die Weiterentwicklung der Architektur? Ihn interessiere, was aus den Überlegungen zur Nachhaltigkeit entstehe - auch auf ästhetischer Ebene -, nämlich eine progressive Architektur. Der Architekturkritik komme in diesem Prozess eine maßgebliche Rolle zu. Daher bedürfe es Kritiker/innen, welche die neue Zeit, das neue Denken, tatsächlich verstehen. Ein Paradigmenwechsel sei notwendig: Mit Architekturkritik, die sich auf Bildbeschreibungen und ästhetische Bewertungen aus dem 19. Jahrhundert beschränke, sei modernes, nachhaltiges Bauen nicht diskutierbar. Vielmehr gehe es um folgende Fragen: Worauf baut moderne ökologische Architektur auf? Welches Weltbild liegt ihr zugrunde? Wie verändert sich die Bewertungsgrundlage? Was ist wertvolle Entwicklung? Und schließlich: Gibt es so etwas wie nachhaltige Architekturkritik?

© Bernhard Wolf
 

Der Architekturpublizist Otto Kapfinger stimmte Georg Reinberg generell zu.
Tatsächlich gebe es Defizite aufseiten der Medien, vor allem werde dem Thema auf einer qualitativ hochwertigen Ebene zu wenig Raum gegeben: Die Berichterstattung erfolge ohne die zum Verständnis notwendige Kontinuität. Die Schwierigkeit liege darin, "unsichtbare" Faktoren zu kommunizieren, die zwar quantifizierbar und messbar seien, aber eben außerhalb der unmittelbar visuellen Welt lägen. Daher hafte dem Thema eine Sprödigkeit an, die der breitenwirksamen Kommunikation entgegenstünde.


© Bernhard Wolf
 

Der Architekturjournalist Wojciech Czaja sieht das Problem nicht zuletzt in der Struktur der Medien selbst: Die Zeit werde im journalistischen Alltag ständig knapper, die Artikel kürzer, das Thema aber laufend komplexer. Zugleich nimmt er die Architekten/innen selbst in die Pflicht. Viele würden mehr und mehr zu Marketingexperten, kommuniziert werde ausschließlich Positives. Mehr Selbstkritik und Ehrlichkeit könnten den Diskurs zwischen Medien und Architekten/innen vorantreiben.



© Bernhard Wolf

Interessante Perspektiven brachte Franz Hölzl in die Diskussion ein: Als Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit bei der SPAR Warenhandels AG weiß er um die Schwierigkeiten in der Nachhaltigkeitskommunikation: Nur ein Viertel der Konsumenten/innen könnten mit dem Begriff überhaupt etwas anfangen. Komplexen Sachverhalten stünde Beliebigkeit im Begrifflichen entgegen. Innerbetrieblich seien das Thema nachhaltiges Bauen und die Standortfrage von wachsender Bedeutung

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